Sonntag, Mai 08, 2011

kthxbye

heute ist muttertag. und ich werde mich nicht bei meiner mutter melden. oder etwas schicken. weil wir das nie wirklich richtig getan haben, weil man das an jedem anderen tag ganz genauso tun kann – und meiner meinung nach auch sollte – und weil es mit dieser bisherigen handhabung dieses tags wie eine heuchlerische, sich anbiedernde entschuldigung wirken würde.

ich werde mich aber nicht entschuldigen, es nicht ändern, es nicht ohne interesse ihrerseits erklären/erläutern/rechtfertigen & ich werde es schon gar nicht rückgängig machen. es gibt nichts zu entschuldigen, ich stehe zu dieser entscheidung.

ich habe den spießigen teil der löwenzahnfaschisten unterschätzt. keine ahnung, was ich genau erwartet habe, aber ganz bestimmt nicht so eine reaktion.

eher hätte ich mit einer riesen unzufriedenheit und hasstirade von meinem dad gerechnet. nicht von meiner ma, die alles in allem politisch sehr korrekt dabei ist, auch ihre ticks und kewlen momente hat dafür dass sie ende nächsten jahres 50 wird & sich ihr ganzes leben immer abgerackert hat. vermutlich haben wir beide, sie und ich, nicht mit so einer jeweiligen antwort & attitüde des anderen gerechnet.

anruf, kurzes update was daheim so passiert, die wichtigen news in sachen gesundheit meiner ma und unfallkonsequenzen meiner schwester ausgetauscht, frage nach meinem weiteren tagesablauf – aus höflichkeit oder ehrlichem interesse, ich weiß es nicht genau. auf die antwort, dass ich eine freundin zum tättowierer begleite plötzlich eine unerwartete hasstirade gegen tattoos, die unsinnigkeit dieser dinge & die unglaublich hohen kosten. nicht zu vergessen die ungemeine idiotie eines jeden menschen, der sich tätowieren lässt.

ich: also ich finde, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. wem das wichtig ist, der muss das halt für sich entscheiden. ist ja deren körper.

sie: jaja, da hast du ja schon recht. aber trotzdem ist das doch bescheuert!

ich: jedem das seine, mama.

sie: na immerhin hast du sowas nicht. ich will nicht, dass du mir mit sowas nach hause kommst!

ich: … äh. okay. ich – äh – werd mir das merken...

(5 lange sekunden pause)

sie: sag mal, wie meinst du das? Das klingt ja nicht sehr überzeugend. isses etwa schon zu spät?

ich: öh...

sie: ist das ein ja?!

ich: äh. also weißt du, eigentlich wollte ich dir das nicht so mitteilen.

sie: hast du zuviel geld oder so? ich dachte eigentlich, ich hätte dich zu einem vernünftigen menschen erzogen!

ich: ist ja nicht so, dass ich mir jetzt hakenkreuze auf die stirn tätowieren hab lassen.

kurze pause, ich rechne mit einer weiteren hasstirade auf dummheit, die gibt’s auch, aber dann doch plötzliches umlenken auf ein komplett anderes thema. keine nachfrage was genau, wo, wie groß oder warum. nichts. sie klang sehr aufgebracht, überrascht und entsetzt. der vorwurf in ihrer stimme machte deutlich, wie enttäuscht/verwundert/unzufrieden sie mit dieser neuen information ist.

machen wir uns nichts vor, die zeiten, in denen nur knastis, punks, nazis, rocker, superevil villains und schurken tätowiert sind, die sind vorbei. alte haut sieht auch ohne tattoos shice aus. wenn nicht völlig überstürzt gemacht, zeugt das in einigen hinsichten von der ernsthaften absicht oder werten und idealen, an die man da glaubt, sich offen zu ihnen bekennt und sich für den rest des lebens mitnimmt. Ein tattoo macht keinen schlechten menschen. menschen sollten bewertet werden nach ihren taten, gedanken und aussagen. wenn man meiner mutter nun also glauben darf, sind meine schwester und ich völlig missraten. absolut unmöglich und missraten. meine schwester fährt autos zu schrott und ich bin tätowiert. ui.

ich bin 25, beende mein studium gerade mit großem ernst und fleiß, gehe nebenbei arbeiten, nehme keine drogen, rauche nicht, gehe wählen, bin intelligent & interessiert und im kleinen aktiv am verbessern der welt & strebe einen verantwortungsvollen, fordernden, schwierigen aber wichtigen job in angriff. meine mutter hat einen alles in allem korrekten öko-sozi großgezogen, dem am wohl seiner mitmenschen, seiner umwelt und dem rest der welt liegt. was will sie eigentlich noch?

das hätte ich sagen sollen. genau das. ich bin zwar kein einfacher mensch, aber weiß gott kein schlechter mensch.

auf meiner rechten arminnenseite steht unterhalb von meinem handballen das wort veritas in einer banderole. ich stehe dazu, es bedeutet mir viel, ich meine es toternst. und was hätte ich in der situation machen sollen? sie anlügen? yeah, right. exactly the point of my tattoo.


Kommentare:

Diandra hat gesagt…

Vielleicht kriegt sie sich ja noch wieder ein... bei uns zuhause gibt es da glicklicherweise keine Probleme, meine Mutter hat jede Menge Tattoos und Piercings... wobei, in ihrem Alter hätte ich mir vielleicht nicht ausgerechnet SPINNWEBEN auf die Schulter tättowiert. *lol*

Da sieht man, keine Generation kann es der anderen Recht machen...

Christian hat gesagt…

Na, gib deiner Mutter die Chance und die Zeit ihre Meinung noch zu ändern. ;)

monsieur hat gesagt…

hey, mach dir nichts draus. mein vater will mich enterben, wenn ich mich tätowieren lasse - but who cares? (ich weiß, ich weiß, man regt sich ja trotzdem auf).

alternativ lässt sich sagen: du kannst es ihr immer noch sagen. das telephon wartet. man kann immer noch mal nachlegen. du weißt nicht, wie oft mir im nachhinein erst schlagende argumente eingefallen sind, & ich dann noch mal schnell zurückrufen musste, um meinen eigenen frust adäquat umzusetzen. mir erschien das grundlegend notwendig. überleg's dir.

Pip hat gesagt…

Mach dir mal keine sorgen, deine mutter wird schon drüber hinwegkommen ... es ist dein leben und du machst was du willst! du hast eine gute und sehr vernünftige selbsteinschätzung und das ist gut so!

aber ich versteh schon auch, dass dich die reaktion deiner mutter verletzt. von den eltern kommt man nun mal nicht los und man möchte unweigerlich, dass sie stolz auf einen sind, oder? aber wenn schon solche sätze kommen, wie etwa "ich will nicht, dass du mir mit sowas nach hause kommst!" ... meinen eltern sagen mir auch ständig, dass es ihnen lieber wäre wenn ich mal ein mädchen und keine "komischen typen" nach hause bringen würde ... aber egal! meine entscheidung, deine entscheidung, nicht ihre entscheidung. wenn deine mutter sagt: "ich dachte eigentlich, ich hätte dich zu einem vernünftigen menschen erzogen!" heißt das doch im klartext "ich dachte du seist so geworden wie ich dich gerne haben würde" und das ist nicht die aufgabe einer tochter/eines sohnes. vor allem nicht einer 25-jährigen angehender lehrerin, die ja wohl weiß was sie tut.