Montag, Juli 04, 2011

let's burn shit down


es ist nicht einmal das nichtverantwortenwollen eines hauses mit garten, kind und kegel in meinem leben. auch das schon im kleineren stattfindende bourgeoisie-dasein macht mir derzeit wieder mehr angst, weil in meinem jahrgang überall um mich herum das große zusammenziehen, heiraten und kinderkriegen gestartet hat.

aber jedesmal wenn ich aus jenem kleinen, leeren weißwändigen zimmer in mein zugekramtes, zugestelltes zimmer zurückkehre, habe ich schlichtweg lust, all den unnötigen kram kurz & klein zu schlagen, schöne aber überflüssige dinge an freunde, bekannte und/oder bedürftige wegzugeben, zwei bis drei kisten mit wichtigen aber im moment platzeinnehmenden dingen im elterlichen keller einzulagern & den rest schlichtweg abzufackeln.

es ist nicht das erste mal im letzten halben jahr, dass ich so etwas denke. es ist nicht das erste mal, dass ich nach einem umzug wieder lerne, wie furchtbar viel zeug ich habe. nach dem letzten umzug habe ich mich von einigen kisten und säcken zeug getrennt. und trotzdem sitze ich in einem vollgestopften raum.
ich könnte ohne bücherregale leben, aber nicht ohne bücher. von den knapp 800 büchern in meinem zimmer könnte ich sicherlich den großteil aufgeben. selbst wenn ich nach dem studium in einem literaturlastigen berufszweig bliebe. ich erwische mich regelmässig dabei, wie mein blick über die regale streift & heimlich, still, leise einteilt in aufhebenswert und aussortierbar. ich brauche keine vier verschiedenen sorten an weingläsern. nicht einmal meine eltern haben so viele verschiedene sorten weingläser. und das will etwas heißen.

besitz ist verantwortung. verantwortung & aufwand in einem ausmaß, das mich zunehmend ermüdet, belastet & gefühlt an orte bindet, an denen ich nicht bleiben kann oder will. mehr und mehr sehe ich nur einen ausweg für dieses phänomen.

let's burn shit down,
let's get rid of all the dead freight.
or let's at least turn it into poetry.



Kommentare:

Elana | Barfuß auf Zement - Grün in der Stadt hat gesagt…

erst kunst,dann nusseis? genial.
immerhin ist dir die aversion gegen kindhauskegel bewusst, ich glaube, vielen menschen passiert das einfach, und wenn sie draufkommen ist es zu spät.

K hat gesagt…

das shirt ist echt der hit!
und den rest kann ich eigentlich auch unterschreiben, sehr oft zumindest. momentan lebe ich mit nur 6 von 25 meiner kisten, wirklich vermisst werden aber nur eine handvoll bücher, die tolle teekanne, sandalen und ein rock^^
habe deinen blog erst neulich entdeckt, passenderweise beim benjamin-eintrag als ich aus münchen kam, wo ich eine super benjamin-ausstellung gesehen hatte.
schön.

Schneefell hat gesagt…

ein weiteres Phänomen des "älter werdens" vielleicht? Ich merke auch schon seit längerem, wie sehr mich Besitz schwer und träge macht, kopflich wie wirklich auch körperlich. Man verbringt so viel Zeit damit, sich über verstaubte, seit Jahren nicht mehr gebrauchte Dinge Gedanken zu machen. Die alte Geschichte vom kleinen Berg Scheiße, der einem den Blick auf den großen Berg voll Glück direkt dahinter versperrt.
Meine Oma hat mit über 70 auch beschlossen, dass sie einfach dreimal so viel Zeug hat, wie sie eigentlich braucht und sortiert seitdem stetig noch weiter aus, weniger ist einfach mehr (in diesem Fall *kicher*). Verbrennen? Nein, verschenken, an entsprechende Institutionen geben, die das wiederrum weitergeben. Wenn es nur nicht manchmal so schwer wäre...