Sonntag, Februar 03, 2013

1/30: so nicht, prinzessin lilifee. so nicht.



die anfängliche euphorie und erleichterung sind weg. sie sind umgeschlagen in mehr wut, kopfschütteln & verzweiflung als vorher. so schnell wie gehofft werde ich den kackvogel wohl doch nicht los. dieser mensch hat in unserem sehr, sehr kurzen zusammenwohnen die furchtbarsten seiten in mir zum vorschein gebracht. er macht mich zum sexistischen arschloch, er macht mich zittern vor wut, ich brauche zwei stunden nach einem zusammenstoßen oder einem weiteren wundervollen stück zettelkommunikation um mich wieder zu halbwegs zu beruhigen, ich esse nicht richtig & bin folglich schlecht gelaunt oder auch zusammenbrüchen nahe, ich werde unkommunikativ & muss meine fantasie gewaltig bremsen, mein alltag wird mir schwer & unzumutbar, weil ich mich vorm nach hause gehen drücke oder gehe, wenn ich weiß, dass er vorbei kommt. an meiner tür baumelt inzwischen fast immer ein schildchen, ähnlich wie in einem hotel, bitte nicht stören. zuhause ist das nicht. vorbereiten für die arbeit geht hier nicht. leben schon gar nicht.
sind wir gleichzeitig in der wohnung, gehen wir uns aus dem weg. man wagt sich nur in den flur oder einen der gemeinschaftlichen räume, wenn man sich sicher ist, dass der andere nicht da ist. man tänzelt umeinander her. die küche betrete ich nur spärlich & für die zubereitung kleinster gerichte, groß kochen oder hier zeit verbringen will ich nicht. er könnte ja jeden moment wieder zur tür reinkommen. bei all diesem unwohlfühlen in der neuen wohnung habe ich reichlich abgenommen. das erste mal seit jahren ist mein gewicht wieder bei einer zahl mit einer 6 vorne dran - was ich übrigens mit gesunder ernährung, bewegung oder weniger schlemmern nie geschafft habe. es braucht also erst elend um wieder abzunehmen. so wollte ich das aber nicht. eigentlich war ich vor dem renovieren & dem umzug sehr zufrieden mit mir & meinem körper.
seit mehreren wochen wohnt beziehungsweise schläft er allerdings nicht mehr hier. seine sachen sind hier, sein zeug steht im weg, seine vom stehpinkeln entstandenen urinflecken auf dem boden der toilette waren auch zwei wochen nach freundlichen bitten immer noch da. er nimmt alle rechte mit, erfüllt aber keine pflichten. die kehrwochenpflichten im haus blieben an mir hängen - der erste stress deswegen mit nachbarn & vermietern auch.
sobald ich aus der haustür trete & irgendwo anders bin, fühle ich mich, als würden mir 3,438 tonnen gewicht abgenommen - pro schulter. ich bin dann ein netterer, korrekterer, umgänglicher, kommunikativer mensch mit einem gesunden appetit.
es ist eine wunderschöne wohnung. wir haben viel zu viel mühe & geld in die renovierung gesteckt & bei seiner kündigung dachte ich erst "jetzt wird endlich alles ok, jetzt ist alles absehbar und gut". aber bei der momentanen nachmietersuche für ihn legt er mir steine & hindernisse in den weg, die weit weg von seinem geforderten "beidseitigem entgegenkommen" sind. ich will hier nicht ausziehen müssen, aber alleine kann ich die wohnung nicht finanzieren. zuviel arbeit, zuviel zeit, zuviel geld wurde hineingesteckt um sich einfach etwas neues zu suchen; eine küche wurde angeschafft & muss von mir übernommen werden, wenn ich hier bleiben will - egal ob ich in eine andere wg oder wohnung ziehen sollte, wenn die nachmietersuche erfolglos bleibt: mitnehmen werde ich die kaum können. die vermieter müssen nach einem gespräch mit ihm das furchtbarste von mir denken & ich frage mich inzwischen, aus welchem bodenlosen fass er mehr mit riesigen löffeln gefressen hat: dummheit oder dreistigkeit.

Kommentare:

ausversehnsüchtig. hat gesagt…

Du beschreibst in den Worten, die ich oft nicht richtig formulieren konnte, meine letzten 4 Monate. Ich bin immer noch überrascht und entsetzt darüber, wie ich mich bei der WG-Suche derart täuschen und mit diesen Menschen zusammenziehen konnte. Es ist wohl nicht die gleiche Situation, aber was du von deinen Gefühlen, deinen Vermeidungsstrategien, deinen (vermutlich urplötzlich auftauchenden und zutiefst verstörenden) Hassgedanken, die einen selbst verändern, schreibst... ja, das kann ich gut nachfühlen. Wirklich.
Ich habe das alles auch erlebt. Allerdings bin ich meine Kackvögel seit gestern los. Ich bin endlich ausgezogen...aber leider gibt es bis März immer noch eine Verbindung, die mir nicht gefällt. Aber es geht vorbei, man findet Lösungen für unlösbar scheinende Probleme. Manchmal ganz plötzlich und unverhofft.

Das wünsche ich dir auch und hoffe sehr, dass du deinen Kackvogel bald los wirst und du nicht länger in einem unzumutbaren Zusammenwohnen bleiben musst!

Sile.

Lucie hat gesagt…

Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass sich das Problem bald erledigt haben wird!

Christian hat gesagt…

:( :( :(

Schneefell hat gesagt…

oh gott Tini-Bunny, wir müssen uns mal wieder sehen/ zumindest schreiben oder so! So geht das ja nicht! ;)

DrNI hat gesagt…

Bei uns nannten wir den Kackvogel nur noch "die Schabe", weil er in seiner Ritze verschwand, sobald das Licht anging. Miete zahlen wollte er auch nicht. Wir kommunizierten nur noch über Anwälte. Auf einmal merkt man, wie wichtig ein räumliches Zuhause doch ist. Ich wünsche Dir viel Glück und vor allem gutes Durchhalten.

Bei uns war er eines Morgens weg, der Kackvogel. Es war noch am Abend das einzige Mal in all den Jahren, dass sich die Nachbarn wegen zu lauter Party beschwerten.