Mittwoch, Februar 06, 2013

3/30: political correctness my ass.




vier ätzende stockwerke mit viel zu langen treppen zwischen jedem stockwerk schleppen wir uns hoch. wir drücken uns auf dem weg dorthin an sehr im weg stehenden kinderwägen und vielen herrscharen von schuhen vorbei. ohje, und hier die ganzen bücherkisten und kartons hochschleppen? die möbel, durch diesen viel zu schmalen flur? ist alles was ich denke. wir betreten dann eine helle, warme altbauwohnung. wunderschön. geräumiger flur, schöner holzdielenboden. decken bis zum himmel, mit lichten rundungen ganz oben, statt ecken. die küche hat eine relativ neue ikea-küche, die drin bleiben soll. ich juble innerlich, denn die anderen wohnungen, die wir heute sahen, hatten allesamt keine küche. dann ein schockmomentchen: das bad (mit tageslicht) liegt direkt neben einem riesigen zimmer, abgetrennt von einer wand und einer tür. dieses riesige zimmer hat kein fenster. das durchgangszimmer hat kein fenster. das durchgangszimmer wird von den derzeitigen bewohnern - einer familie - als schlafzimmer der eltern benützt. nachvollziehbar, wie ich finde. wir sind kein paar. wir sind nur befreundet, kollegen an zwei verschiedenen schulen. wir können dieses durchgangszimmer zum bad unmöglich als gemeinsames zimmer nehmen. zu dunkel, zu wenig frische luft. aber als einzelnes zimmer taugt es auch nicht, denn das bad ist nur von diesem raum aus zugänglich. man kann doch nicht durch das zimmer des anderen hindurchgehen. egal, was der andere darin gerade tut. innerlich hake ich die wohnung ab, obwohl sie sonst wunderschön wäre. bezahlbar, hell, sehr zentral gelegen, geräumig. anstandshalber lassen wir uns beim hinausgehen noch die keller zeigen. auch die sind jetzt nicht gerade der burner, viel zu kleine staubige treppchen, abteile wie verließe, das licht funktioniert nicht. man könnte herrliche horrorfilme hier drehen, aber gewiss nicht regelmässig hier hinuntergehen.

wir verabschieden uns höflich, sagen, dass wir uns melden würden. anstandshalber. das durchgangszimmer ist mein k.o.-kriterium. als paar wäre das kein ding. als nicht-paar keine option.
wir gehen zum auto, zwei blocks weiter geparkt, und erst da fängt er an zu reden.

er: also. ähm.

ich: das durchgangszimmer ging gar nicht.

er: ja.

schweigen.

er: und da is auch mit licht & strahlern nichts zu machen, oder?

ich: nein, denke nicht. das taugt als gemeinschaftszimmer nicht. da kommt nicht genug licht rein, luft auch nicht. da kriegt man ja im sommer ne ausgewachsene winterdepression.

er: hm. naja, ja. so schön ist das nicht. wobei. das finde ich nicht mal das größte problem.

ich: hä?

er: naja.

ich: ja?

er: die nachbarn...

ich: ja, kinder, mein gott. die waren gerade da, aber ich finde nicht, dass man die laut gehört hat.

er: das meine ich nicht.

ich: sondern?

er: naja. das sind, äh... türken.

ich: ja, und?

er: und die vermieter... auch.

ich: und?

er: und naja, die ganze nachbarschaft.

ich: nicht dein ernst...

er: naja.

ich: junge, das ist stuttgart. das ist bad cannstatt. wundert dich das? das ist doch voll in ordnung. solange die bude in ordnung ist, der preis stimmt und wir endlich etwas finden, ist mir völlig egal, wer oder was mein vermieter ist.

er: hm.

ich: es ist samstag nachmittag. jetzt sind alle zuhause und haben frei, die sonne scheint & alle fenster stehen offen. hörst du das? lauter als jetzt kann es fast nicht werden!

er: naja, aber mieten bei türken, ich weiß nicht...

ich: sag mal, du weißt die wievielte besichtigung das ist? du weißt, wann wir in der neuen bleibe sein wollen und das ref losgeht?

er: ja, schon.

ich: ich denke nicht, dass wir uns - so wie die bisherigen besichtigungen gelaufen sind - irgendwie wählerisch sein dürfen. und dann auch noch wegen sowas!

er: hm.

ich: was ist denn eigentlich dein problem mit türken?

er: ach, ich weiß auch nicht.

ich: hattest du denn mal nen unangenehmen zusammenprall mit türken?

er: nein.

ich: gar keinen? nicht mal nur vom weiten?

er: nein.

ich: hm. oder deinen freunden oder bekannten?

er: nee, auch nicht.

ich: aha. kennst du überhaupt türken?

er: nein.

ich: was?! nicht mal so entfernt oder so?

er: nein.

ich: du verarschst mich jetzt! junge. du bist in stuttgart geboren und aufgewachsen. zur schule gegangen! wie kann man da keine türken kennen?

er: ich war auf einer katholischen privatschule.

ich: und? außerhalb der schule, nicht mal im entferntesten bekanntenkreis nen türken, so privat, oder wie?

er: nein.

ich: und woher nimmst du dann bitte, wenn du keinen einzigen kennst, dein unbehagen?

er: ...

ich: ja?

er: ... presse?


ich bin sprachlos. & beschließe, während wir zum bahnhof fahren, dass ich ihn ganz ganz dringend meinen freunden aussetzen werde. allen freunden. auch oder vor allem denen aus sonst wo. ich weiß nicht, wie man in einer stadt wie stuttgart über 20 jahre leben kann, zur schule gehen, menschen kennen und treffen kann, ohne dabei jemals mit türken zusammen zu kommen. im guten wie im schlechten. und dann auch an der uni nicht, in den nächsten 7 jahren. er brabbelt was von bildungsfernen schichten und mir fällt die kinnlade noch tiefer. wie kann ein studierter, intelligenter, angeblich weltoffener mensch so einen stuß von sich geben? sich für politisch korrekt, nett und anständig halten? & sowas wird lehrer. hätte ich da gewusst, dass das nicht sein einziger unänderbarer hau ist, hätte ich ganz schnell reißaus nehmen sollen. aber wie sagt der schwäbische kindermund hier ganz gerne: hätte, hätte, fahrradkette!

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