Sonntag, Dezember 14, 2014

souvenir, substantiv (n)


  1. die fähigkeit, vergangene informationen zu behalten und wieder aufzurufen.
  2. ein bestimmter gedanke, der im gedächtnis verblieben ist; erinnerung.
  3. ein kleiner gegenstand, der erinnerungen an ein bestimmtes ereignis oder eine bestimmte person hervorrufen soll; andenken.

aus jeder beziehung nimmt man erinnerungen, andenken, erfahrungen mit. jedes zwischenmenschliche miteinander von gewisser dauer prägt einen nachhaltig - im guten wie im schlechten. man lernt aus fehlern & verbucht so manche katastrophe unter „groß e wie erfahrung (schlecht)“, man nimmt sich vor, diesen oder jenen fehler nicht mehr zu machen & das schließt so manches mal den ganzen menschen mit ein. oder eine macke, schlechte angewohnheit oder einen gewissen typ menschen.
bisher hatte ich mit meinen beziehungen irgendwie mehr pech als glück & ich habe mich von einem berg schlechter erfahrungen zum nächsten geschleppt, mit viel dabei entstandenem ballast, den man dann mit in die nächste beziehung mitnimmt. aber man wächst auch mit diesen unter „groß e wie erfahrung“ gemachten erinnerungen und momenten, man wird so die person, die man ist – im guten wie im schlechten. nicht ganz unähnlich eternal sunshine of the spotless mind fragt man sich manchmal, ob man manche erfahrungen (inklusive leute) manchmal lieber nicht hätte haben wollen, wenn man denn könnte. & trotz so vieler, vieler schlechter momente, erinnerungen, erfahrungen & schmerz, kann man das nicht wollen. denn sonst wäre man nicht der mensch geworden, der man jetzt ist. & einige (überraschenderweise wenige) dinge, nimmt man dann doch als - wohlgemerkt gute - souvenirs aus beziehungen mit, selbst wenn man den menschen komplett aus dem leben gestrichen hat.


menschen, viele menschen & bekanntschaften – einige hat man sogar behalten. diverse kenntnisse über ostasien, die dortige küche, sprache & kultur inklusive dem dazugehörigen studium (manche dozenten denken bis heute, dass ich dieses fach selbst bei ihnen studiert habe).

neugierde beim kochen, viele lebensmittel. lust lebensmittel komplett selbst zu machen und zu probieren. eindrücke in akademische verbindungen als großes über den eigenen tellerrand schauen. swing & jazz. DIE frisur. kenntnisse bei whiskey. die tätowierung auf dem rechten handgelenk.

wissen um wein. literatur der französischen existenzialisten. das wissen, wie man in museen fürchterlich ärger oder großartige private führungen kriegen kann.

die allerwundervollste französische chicoreesuppe.

jetzt habe ich das glück, mich inzwischen ganz gut selbst abzukönnen beziehungsweise mit mir umgehen zu können. diese souvenirs sehe ich also inzwischen als andenken an etwas ein wenig gutes, das mich zu dem gemacht hat, wie ich bin. oder eher bereicherung als andenken. denn die personen, von denen ich die souvenirs habe, möchte ich nicht wieder. ich vermisse sie nicht, ich trauere den gemeinsamen tagen kein stück nach, ich habe sie aus guten gründen aus meinem leben gestrichen & bin nicht an einem sonderlich freundschaftlichem verbleiben jenseits des zivilen umgangs miteinander interessiert.


so über die vielen jahre verteilt mögen die oben aufgezählten souvenirs als läppisch oder wenig erscheinen. es sind auch nur die wenigen guten, denn die schlechten erfahrungen haben deutlich mehr gewogen. dass mir die listen so kurz und lächerlich wenig vorkommen, liegt aber vor allem daran, dass ich das glück habe, derzeit mit einem menschen zusammen zu sein, mit dem die liste sehr sehr viel länger wäre. nicht nur, weil man aus bereits gemachten erfahrungen und fehlern gelernt hat & daran gewachsen ist. sondern weil ich hier nicht das gefühl habe, dass es sich bei den neuen erfahrungen um andenken aus einer irgendwann mal vergangenen zeit handeln wird.

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